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Der etwas andere Datenschutz: Das Spiel mit dem digitalen Selbstmord

Es ist in vielerlei Hinsicht eine höchst seltsame Diskussion, die Facebook-Nutzer auf der ganzen Welt zur Zeit führen. Getragen wird sie von der diffusen Angst vor dem Diebstahl privater Daten. Beispielhaft dafür: Die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG berichtet, dass Werbekunden offenbar seit 2007 Nutzerdaten von Facebook-Profilen abgreifen konnten.

Das Sicherheitsleck (…) findet sich an der Schnittstelle zwischen den Facebook-Profilen und den Programmen auf der Seite, den sogenannten Facebook Apps.

Natürlich – auch das sollte man sich immer wieder vor Augen führen – wird mit zweierlei Maß gemessen. Bei rund 600 Millionen Nutzern weltweit kann die Angst vor dem Datenklau zwar zur Panik werden, aber spürbare Konsequenzen von Seiten der Nutzer muss Facebook nicht befürchten. Schließlich teilt ein Großteil von ihnen nach Lust und Laune banale, überflüssige, auch intime Inhalte mit Freunden. Zugespitzt formuliert: Man gibt bei jeder sich bietenden Gelegenheit seinen aktuellen Aufenthaltsort via Facebook an – aber die E-Mail-Adresse und der Amazon-Account gehören doch bitte ausschließlich einem selbst.

Dennoch ist das Veröffentlichen eigener Stausmeldungen in einer Demokratie und vor dem Hintergrund freier Meinungsäußerung legitim – Lücken im Sicherheitsnetz des sozialen Netzwerks sind es nicht. Zwar ist bisher nicht geklärt, ob der Datendiebstahl in diesem Fall auch tatsächlich stattfand, doch die Antworten von Facebook-Managerin Joanna Shields im Interview mit der WELT Anfang April lassen tief blicken. Ein kleiner Auszug:

„Wir haben es inzwischen für unsere Nutzer sehr einfach gemacht, die persönlichen Daten zu schützen. Nachdem wir im vergangenen Jahr mehrere Funktionen neu eingeführt hatten, mussten wir feststellen, dass viele Nutzer mit den Einstellungen zum Schutz der Privatsphäre in den Nutzerkonten nicht klarkamen. Deswegen haben wir diesen Bereich überarbeitet. Wer heute will, dass nicht nur Freunde die Informationen zu sehen bekommen, muss sich dafür aktiv entscheiden. Außerdem arbeiten wir eng mit Datenschutzbehörden und Erziehungsorganisationen zusammen.“

Die Schlagzeilen der letzten Wochen führen diese angeblich massive Vereinfachung des Datenschutzes ad absurdum. Und bestärken den Eindruck, dass Datenschutz bei Facebook virtuelles russisches Roulette ist.

Ein Gedanke, den zwei Berliner Studenten nun für eine Werbekampagne einer russischen Wodkamarke gewissermaßen umgekehrt haben. Die grandiose Idee: Vier Spieler, vier Facebook Accounts, vier vor der Partie preisgegebene Passwörter. Dann das Drehen eines virtuellen Pistolenmagazins und der Abzug. Wenn es knallt, wird der Facebook-Account gelöscht bzw. unbrauchbar gemacht.

Und davor darf man seine letzten Worte an die Facebook-Gemeinschaft richten. Das Problem: Bisher ist das Ganze nur der Aufmacher für besagte Werbekampagne.

This is just a concept, but would you have the guts to play? Maybe after a bottle of Russian Standard Vodka?

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Eine Antwort zu “Der etwas andere Datenschutz: Das Spiel mit dem digitalen Selbstmord

  1. Pingback: UNI UND URLAUB. | hirnrausch

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