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Sueddeutsche.de: Fast alles neu macht der Mai

Es war überfällig: Das Internetangebot der Süddeutschen Zeitung mit seinem neuen Chefredakteur Stefan Plöchinger, der Ende letzten Jahres von Spiegel Online verpflichtet wurde, kommt seit heute deutlich frischer, übersichtlicher und innovativer daher. Das seltsame Modell zur Kommentarfunktion bleibt gleichwohl (vorerst) bestehen.

Fünf zentrale Aspekte der neuen Seite

Plöchinger nennt in seinem Editorial fünf zentrale Aspekte des überarbeiteten Online-Angebots: Übersichtlichkeit der Seite, Tiefe der Informationen, Leserlichkeit der Texte, Nähe zu sozialen Netzwerken und ein höherer Lokalbezug. Garniert sind seine Ausführungen mit einem kurzen, übersichtlichen Erklärungsfilm (der allerdings eher den Ton einer Kaffeefahrt anschlägt).

Nachdem realistischerweise nach wenigen Stunden weder die Qualität der Informationen (hier argumentiert Plöchinger unglücklich, stellte doch die SZ auch bis gestern ein inhaltlich überzeugendes Angebot zur Verfügung) noch ein etwaiger höherer Lokalbezug seriös bewertet werden können, werde ich hier die Verbesserungen im Hinblick auf das Erscheinungsbild der Seite einordnen und analysieren.


Größeres Aufmacherbild, kompaktere Themenbündelung, neues Schriftbild – sueddeutsche.de mit neuem Layout

Alexander Becker stellt dem neuen Internetauftritt der SÜDDEUTSCHEN ZEITUNG bei Meedia zwar insgesamt ebenfalls ein gutes Zeugnis aus, betont aber mit Blick auf die Aufmachung der Seite auch die Überfälligkeit der Veränderungen. Nicht ohne einen kleinen Seitenhieb aus Hamburg nach München:

Zudem schauten sich die Münchner noch einen der einfachen Erfolgskniffe von Zeit Online ab und vergrößerten einfach die Schrift. Diese scheinbar banale Änderung erzielte beim Hamburger Konkurrenten erstaunliche Erfolge. Das neue Schriftbild ist nun auch angelehnter an das der Süddeutschen Zeitung. Allein das ist eine gute Entscheidung. Denn die aktuelle Diskussion um Stern.de zeigt, dass viele Nachrichten-Portale dabei sind, sich von ihren Print-Müttern zu entfernen.

Auch die Einbettung sozialer Netzwerke in die Infrastruktur der neuen Seite erachtet Becker – ich teile seine Einschätzung – als zeitgemäß:

Eine weitere Neuerung betrifft die Integration der sozialen Medien. So können Facebook-Nutzer direkt auf der Startseite nun sehen, welche Artikel Ihre Freunde auf sueddeutsche.de empfohlen haben. Damit trägt die Redaktion auch dem Umstand Rechnung, dass immer Traffic von den Social Media-Plattformen auf die Nachrichten-Seiten gespült werden.

Die von Stefan Niggemeier in den letzten Tagen wieder und wieder angestoßene Debatte um die bedauernswerte journalistische Qualität von Stern.de zeigt, wie wichtig das Einhalten handwerklicher Standards auch und gerade im Internet ist. Der neue Auftritt von süddeutsche.de lenkt den Blick auf ein anderes zentrales Qualitätsmerkmal von Journalismus im Netz: Das bloße Layout der Seite.

Kommentarfunktion bleibt undurchsichtig und undemokratisch

Bleibt noch das Haar in der Suppe: Die Kommentarfunktion. Hier bleibt es zumindest vorerst bei den grotesken Sperrzeiten nachts und am Wochenende. Bleibt zu hoffen, dass Plöchinger auch diesen Stein noch umdreht. Denn erst mit der Möglichkeit, immer und bei jedem Thema mit zu diskutieren, wird die neue Seite von Süddeutsche.de ein wirklich gutes journalistisches Angebot im Netz. Stand heute jedenfalls ist Plöchingers Einschätzung eher Arbeitsauftrag als Feststellung:

Künftig bekommen Sie auf sueddeutsche.de schneller einen Überblick über die Nachrichtenlage, finden sich besser zurecht und können sich leichter mit Ihren Freunden über unsere Geschichten austauschen.

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Eine Antwort zu “Sueddeutsche.de: Fast alles neu macht der Mai

  1. Pingback: UNI UND URLAUB. | hirnrausch

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