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BOSTON.

Unser Hostel ist ein ehemaliges Pflegeheim. Lange, mit schweren Teppichen ausgestattete Gaenge, von denen rechts und links die Zimmer abgehen. Es gibt keine Tuerklinken in den Toiletten, es gibt Toilettenknoepfe. Frueher: Damit die Patienten nicht in Panik geraten, wenn die Tuer mal klemmt. Heute: Damit Reisende in Panik geraten, wenn an der Tuer von aussen geruettelt wird.
Das Maedel an der Rezeption hat ein Bild an die Wand gemalt, die Koepfe beruehmter US-Amerikaner. Sie haette gerne eine deutsche Beruehmtheit dazu gemalt, sagt sie, doch sie kenne niemanden. Auch das ist Amerika.
Alle fuenf Meter haengt ein Lautsprecher, aus dem amerikanische Hits der letzten fuenfzig Jahren droehnen. Jetzt gerade tun die Eagles das, was sie immer getan haben. Sie besingen das „Hotel California“.

Drei Stunden Highway und drei Minuten in der Subway

Die Fahrt nach Boston im klimatisierten Doppeldeckerbus. Alles erstaunlich gemaechlich, erlaubt sind durchgaengig nur 55 mp/h (90 km/h). An der Strassenseite immer wieder Schilder, auf denen Colleges und Universitaeten der Region ihre sportlichen Erfolge verkuenden.
In der Subway schliesslich Unterhaltung mit einem Kanadier und seiner Tochter. „Sie sprechen deutsch“ stellt er als Gespraechseinstieg fest. Plaudern ueber Heidelberg, Boston, Universitaeten. Am Schluss obligatorisches „Take care“.

Die Universitaet von Harvard

Besuch der Harvard University, aelteste Universitaet der Vereinigten Staaten. Erhabene Lage ausserhalb von Boston, 30000 Studenten, rote Backsteinhaeuser saeumen den Campus. Es gibt Bars, Kneipen und Gruenflaechen, alles sehr studentisch, entspannt, locker, schoen. Einige Meter neben der Bahnstation spielt ein Mann Gitarre. Er war als Soldat der Roten Armee in Deutschland, erzaehlt er uns, stationiert in Potsdam Mitte der 1970er Jahre. Knapp vierzig Jahre spaeter steht er in diesem wunderbaren Harvard und spielt die Musik des damaligen Erzfeinds: Instrumentalversionen von „Hotel California“.

Sechs Stunden spaeter sind wir laengst wieder in Harvard. Ziehen mit zwei Jungs aus dem Hostel um die Haeuser, Sebastian reisst in einer Bar beim Versuch, die Toilette zu besuchen, ein Waschbecken halb von der Wand.

Boston Harbor Islands

Mit der Faehre Tagesausflug zum Naherholungsgebiet Bostons: 34 kleine Inseln, etwa eine halbe Stunde entfernt vom Hafen. Lovell Island als dezentes Naturspektakel, kaum 200 Meter lang, umsaeumt von Kiesstrand und dem bemerkenswert kalten Atlantischen Ozean (Bilder weiterhin bei Sebastian: http://seetheseaisgreen.wordpress.com/). George Island mit einer beeindruckenden Festungsanlage aus dem 19. Jahrhundert. Passend zu Bostons ohnehin grosser Geschichtstraechtigkeit: Die Boston Tea Party als Ausgangspunkt fuer die Abnabelung von Grossbritannien, das State House in der Stadtmitte als Sitz der Regierung von Massachusetts.

Entspannt und mit einem gewaltigen Sonnenbrand von den Inseln zurueck ins Hostel. Dort erfahren wir: 1. Loriot ist tot. 2. Schweres Erdbeben an der Ostkueste der USA. Von beidem haben wir bis dahin nichts mitbekommen.

Morgen per Bus weiter in den Sueden nach Martha’s Vineyard; einer der oestlichsten Punkte der USA und Sommerresidenz des US-Praesidenten.

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Eine Antwort zu “BOSTON.

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