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OTTAWA.

Gerade noch ergattern wir einen Platz im Bus, der uns in die kanadische Hauptstadt bringt. Wir verlassen Montreal, die Schoene Kanadas, die sich an diesem Morgen von ihrer launischen Seite zeigt. Verregnet, grau, menschenleer. Das macht den Abschied wenigstens ein bisschen leichter.
In Ottawa direkt zum Hostel, dieses Mal etwas ausserhalb der Innenstadt. Auf der Veranda vor unserer Unterkunft sitzt ein muerrischer Mann. Er ist aus Bamberg, gelernter Baecker und sein Kummer haengt damit zusammen, dass er seit fast drei Monaten auf seine Arbeitspapiere wartet. Er raucht eine Zigarette nach der anderen und schaut seiner Freundin dabei zu, wie sie auf ihrem I-Phone ein Spiel spielt. Als wir ueber die Stadt sprechen, schaut sie kurz auf und sagt: „Alles, was es hier zu sehen gibt, ist das Parlament“.

Womit sie Recht behalten wird.

Am Abend ist das Parlament von Kanada aber tatsaechlich einen Besuch wert. An die Aussenmauern des alten Gebaeudes wird mit einer grossartigen Lichthow die Geschichte Kanadas projeziert. Das ist schwer in Worte zu fassen – aber ziemlich beeindruckend. Bevor das Spektakel beginnt, laeuft leise Musik aus verschiedenen Lautsprechern auf dem Platz davor. Beruehrend: Eine Frau tanzt dazu mit geschlossenen Augen Kreise auf den Boden. Sie sitzt im Rollstuhl.

Ottawa ist ansonsten – vielleicht insbesondere als erste Station nach Montreal – eine recht durchschnittliche Stadt. Wir verbringen einen Tag dort (was voellig ausreicht). Erwaehnenswert: Ein Besuch im Nationalmuseum und der Umstand, dass mir meine Sonnenbrille im Hostel geklaut wird. Dort ohnehin eine bemerkenswerte Ansammlung schrulliger Leute. Zum Beispiel Katarina aus Berlin, die ein halbes Jahr „Work and Travel“ macht und sich aus irgendwelchen Gruenden dazu diese Stadt ausgesucht hat – wo sie dazu noch fuer ueber drei Monate bleibt. Was man dann moeglicherweise unter „Work statt Travel“ verbuchen kann.

Vielleicht ist es daher Zeit fuer ein paar allgemeinere, unstrukturierte Eindruecke von dieser Reise, deren letzte Woche angebrochen ist. Selbstredend ohne den Anspruch, diesen gigantischen Kontinent in dieser verhaeltnismaessig kurzen Zeit auch nur im Ansatz zu erfassen.

ERNAEHRUNG. Das Kartell der drei grossen Zucker- und Fettunternehmen in den USA: McDonalds, DunkinDonuts, Subway. Variationen von weissem Toast als Brotkultur. Und das trotz vielfaeltiger Bevoelkerung und kulinarischer Einfluesse. Gleichzeitig ist das Rauchen voellig verpoehnt, ironischerweise mit Verweis auf die gesundheitsschaedigende Wirkung.

TRANSPORT. Anders als in Deutschland hauptsaechlich mit Bussen. Gut, weil verschiedene Anbieter und hoehere Flexibilitaet. Schlecht, weil keine Abstimmung bezueglich Fahrzeiten unter den Busunternehmen. Zugfahren geht, ist aber unverhaeltnismaessig teuer. Das eigene Auto als Statussymbol der Pick-Up-Nation. Oeffentliche Verkehrsmittel daher fast nur in den Staedten interessant, groessere Distanzen in der Regel mit dem eigenen Wagen.

NATIONALGEFUEHL. In beiden Laendern sehr gross, in den USA kippt es allzu oft ins Pathetische, Aufgeblasene. Erneut der Hang, Dinge groesser, aelter, bedeutender zu machen. Die amerikanische Flagge als ueberall gebrauchtes Nationalsymbol. Erstaunlich positives Bild von Deutschland, egal ob man mit Hippies in Bar Harbor oder mit Schuhverkaufern in Ottawa spricht. Gleichzeitig oft eher vage Vorstellungen von Deutschland, Europa, Europaeischer Union.

Seit gestern in Toronto, Ontario.

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Eine Antwort zu “OTTAWA.

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