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TORONTO.

Toronto ist die fuenfte Stadt auf unserem Trip durch Kanada und die Vereinigten Staaten. Sightseeing wird deshalb auf ein Minimum zurueckgefahren, eine gewisse Stadtmuedigkeit hat sich eingestellt. Vor dem Indian Summer kuendigt sich schon einmal der Herbst mit Nachdruck an, es ist kuehl und windig. Toronto ist eine sehr teure Stadt, ein Besuch auf dem CN Tower, der einen Blick ueber die Skyline bietet, kostet mehr als ein Ticket im Empire State Building. Unser touristisches Highlight bleibt eine Bootsfahrt auf dem Lake Ontario. Das Schiffchen, das uns um die Toronto Islands (eine kleine Inselgruppe einige hundert Meter vor dem Hafen der Stadt) tuckert, ist voller Touristen. Der Altersschnitt bewegt sich optimistisch geschaetzt zwischen 103 und 104.


Bilder immer noch bei Sebastians Fotoblog: seetheseaisgreen.wordpress.com

Biergespraeche ueber Tito

Untergebracht sind wir bei Nada, einer frueheren Nachbarin von Sebastians Familie. Ein sehr gastfreundlicher Mensch – und eine spannende Gespraechspartnerin. Sie ist urspruenglich aus Bosnien, ist im Zuge der Kriege vor zwanzig Jahren erst nach Deutschland und schliesslich nach Kanada gezogen. Politik habe zu viele Abschnitte ihres Lebens bestimmt, sagt sie, deshalb interessiere sie sich nicht mehr dafuer. Bei Bier und Zigaretten (ihre Wohnung ist eine Raucherwohnung und damit offenkundig eine Oase auf diesem Kontinent) dennoch Gespraeche ueber die Geschichte des Balkans, Krankenversicherung, Migration. Sie hat eine sehr hohe Meinung von Tito – etwas, das mir schon auf dem Balkan aufgefallen ist. Sein Jugoslawien als schoenste Zeit, kaum Kriminalitaet, kaum Sozialneid, internationale Anerkennung im Westen wie im Osten. Der amerikanische Traum irgendwo in Europa. Daraus resultierend zweifelt sie die Richtigkeit des Libyen-Krieges an, Gaddafi sei wenigstens in der Lage gewesen, die verschiedenen Staemme im Land zusammenzubringen. Ohne die Frage der Vergleichbarkeit aufzuwerfen: Jugoslawien ist nach Tito fuerchterlich auseinander gebrochen, vielleicht steht dieser Gedanke hinter ihrer Argumentation.

Toronto scheint einigermassen chaotisch zu sein. Schachbrettmuster und Wolkenkratzer, ohnehin ein sehr amerikanisches Stadtbild, eine riesige Skyline. „Sie kopieren alles, nur zu gross“, sagt Nada. Und: „Zwanzigtausend Deutsche taeten dieser Stadt in Sachen Puenktlichkeit und Organisation gut.“ Zumindest mit Blick auf die Strassennamen stimmt das mit Sicherheit. Fast alle Namen beinhalten – in alter Verbundenheit zur Krone – englische Koenige und Koeniginnen. Da ist zwar ueber die Jahrhunderte einiges zusammen gekommen – aber fuer die ganze Stadt reicht es dann doch nicht. Die Stadtverwaltung entwickelt mysterioese Kombinationen: King Street West und King Street East, Queen Street und Queen Avenue.

Besuch des Distillery District, Kunst- und Vergnuegungsviertel der Stadt, ohne unsere Begleiterin haetten wir es nicht gefunden. Unmittelbar neben der Sjyline Torontos fuehlt man sich versetzt in eine englische Arbeiterstadt. Roetliche Backsteingebaeude und Pubs, teure Restaurants und Livemusik. Es ist ziemlich viel los, denn es ist einer der letzten Abende des Sommers, die man draussen verbringen kann. Im Winter hat es hier circa minus zwanzig Grad.

Two Gallants im Drake Hotel

Jagd nach Tickets fuer das Konzert der Band aus San Francisco. Die Plattenlaeden der Stadt haben laengst alle Karten verkauft, wir warten fuer ueber drei Stunden an der Bar des Clubs. An der Abendkasse haben wir schliesslich Glueck, zwoelf Dollar fuer zwei Stunden feine Musik. Der Gig ist im Keller, ein Stockwerk ueber uns trinkt ein einsamer deutscher Student an der Bar Bier um Bier.

Seit gestern zurueck in den USA.

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Eine Antwort zu “TORONTO.

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