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Helsinki.

Die Tour hat begonnen. Drei Jungs, sechs Länder und drei Wochen Zeit. Die Idee: Start in Finnlands Hauptstadt und dann von Norden in Richtung Süden, durch die Länder des Baltikums und die Städte Polens. Abschluss in Prag, aber das ist noch ein gutes Stück weg.

Helsinki also. Der Flug reibungslos, die Ankunft nach Mitternacht. Der Abend soll bei einem gemütlichen Bier ausklingen und endet in einem Club unweit des Hauptbahnhofs. Unsere Unterkunft ist ausserhalb des Stadtzentrums bei der Tante einer Studienfreundin. Offenkundig bessere Wohngegend, hundert Meter Fussweg zum Meer, ein eigener Bootssteg. Das Paradies des Rucksacktouristen. Wir starten mit einem Frühstück am Wasser und fahren dann in die Stadt, um Roman Schatz zu treffen.

Schatz ist 1986 nach Helsinki ausgewandert und dort bekannt wie ein bunter Hund. Arbeitet für das finnische Fernsehen, schreibt Bücher, hält Vorträge. Erklärt den Finnen, wie die Finnen ticken. Und ist einer der seltenen Menschen, die man nach drei Minuten ins Herz geschlossen hat und nach drei Stunden nicht mehr gehen lassen möchte. Die finnische Sprache, sagt Schatz, verwendet auch die Zahl eins im Plural. In der Formulierung „ein Bier trinken gehen“ findet dieser Plural beispielsweise Verwendung, ergänzt er augenzwinkernd.

Das scheint bemerkenswert viel über die Finnen auszusagen, wenn wir das nach knapp drei Tagen richtig überblicken.

Sauna und Sightseeing

Grosses Glück, dass die Einliegerwohnung, in der wir für drei Tage untergebracht sind, über eine eigene Sauna verfügt. Der Abend beginnt genau dort, unterbrochen von einem Sprung in die fürchterlich kalte Ostsee. Im Garten verrichtet ein vollautomatischer, elektrischer Rasenmäher seinen Dienst und um neun Uhr ist es noch taghell. Wir fahren zurück in die Stadt und treffen uns mit Topse, einem Kumpel von Roman Schatz‘ Sohn. Topse lotst uns durch die Nacht Helsinkis, wir tingeln von Laden zu Laden, werden ärmer und ärmer (Alkoholsteuer!), feiern den Start unseres Trips. Es wird schon hell, als die Nacht dort endet, wo der Abend begann.

Tags drauf Touristenprogramm: Die Markthalle. Der Stadtpark. Die weisse Kirche, Wahrzeichen der Stadt. „Sind eben Protestanten“ sagt Benni achselzuckend, als ich bemerke, dass das Innere der Kirche ziemlich karg wirkt. Schliesslich Fahrt mit der Fähre zur Suomenlinna („Schwedenburg“), einer Festungsanlage vor der Stadt. Schön gelegen, touristisch überlaufen. Wir essen einen Blaubeerkuchen und fahren zurück.

(Bilder hoffentlich ab dem zweiten Eintrag, der Computer im Hostel schafft das Hochladen nicht und würde sich ausgezeichnet im Haus der Geschichte in Bonn machen.)

Der zweite Abend beginnt bei einem Bier mit Roman Schatz und einem deutschen Journalisten aus Berlin. Schatz als Conférencier und Lebemann. Als er geht, weil er am nächsten Morgen eine Kolumne über finnische Frauen schreiben muss, landen wir mit dem Journalisten und seiner Frau in einer Karaokebar. Das Singen dort ist für die Finnen eine Art Ausbrechen aus der ihnen sonst eigenen Zurückhaltung, erzählt man uns. Was natürlich nichts an der Tatsache ändert, dass eine sechzigjährige Finnin, die vor neun Zuschauern mit trauriger Miene ein schwedisches Liebeslied singt, ein überaus niederschmetternder Anblick ist.

Flucht folglich in ein Gespräch mit dem Türsteher. Was zur Hölle wir in Helsinki machen, fragt er uns. Was zur Hölle er in Helsinki macht, fragen wir ihn. Er erzählt uns seine Lebensgeschichte (neunmal versucht zu studieren, neunmal gescheitert). Im Hintergrund singt Benni „You are my dancing queen“.

Mit der Fähre einmal über die Ostsee und zur nächsten Station. Seit vier Stunden in Tallinn, Estland.

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