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Vilnius+Warschau.

Das Grinsen des Taxifahrers verraet, dass wir selbstverstaendlich zu viel bezahlt haben fuer die Fahrt vom Bahnhof in Vilnius zu unserer Unterkunft. Herzlich Willkommen in der Touristenfalle. Mitten in der Altstadt werden wir im „Jimmy Jump Hostel“ empfangen von einer jungen Litauerin mit einem „Work sucks“-Button am Sewatshirt und einem sehr ansteckenden Lachen. Die anderen Gaeste ungluecklicherweise: Amerikaner, deren Europatouren darin bestehen zu scheinen, in Hostels zu sitzen und anderen Amerikanern von ihren Europatouren zu erzaehlen.

Frage: „Hat Litauen so etwas wie ein Zugehoerigkeitsgefuehl zu Europa?“
Antwort Rezeptionistin: „Das Problem ist, dass wir staendig Mitglied einer Union sein muessen.“

Ebenfalls im Hostel: ein Paerchen aus dem Osten, dass vehement vor einer Fahrt nach Warschau (unserer naechsten Station) warnt: Im Hostel dort habe man aus hygienischen Gruenden nur mit Flip-Flops duschen koennen und die Stadt selbst gebe nicht viel her.

Frage: „Wie lange seid ihr dort gewesen?“
Antwort: „Abends gegen elf angekommen, am naechsten Vormittag weitergefahren.“

Wir verbringen unseren einzigen Tag in Litauen mit einer dreistuendigen Stadtfuehrung (Vilnius ist keine Schoenheit, aber eine durchaus sehenswerte Stadt), deren beste und boeseste Pointe die folgende ist: In der Stadt ist seit ein paar Jahren das Trinken in der Oeffentlichkeit verboten, erzehlt unsere Fuehrerin beim Gang durch die Altstadt, weil ein betrunkenes Maedchen tragischerweise beim Pinkeln gegen ein Umspannwerk (!) umgekommen ist.

Ein Tag spaeter. Polens Hauptstadt, frueher Freitagmorgen, kurz vor halb sechs. Wir sind nach gut neunstuendiger Fahrt aus Litauens Hauptstadt am Busbahnhof angekommen. Waehrend es langsam hell wird und Warschau vorsichtig erwacht, laufen wir mit unseren Rucksaecken durch die Stadt. Immerhin: Felix‘ Orientierungssinn, der uns in Litauen beinahe in verlassene Waldstuecke im Osten des Landes gefuehrt haette, wird uns dieses Mal zielsicher zum Hostel bringen.

Wenn drei vollkommen uebernaechtigte Studenten bei Sonnenaufgang und auf der Suche nach Kaffee durch eine fremde Stadt fahren, wird etwas klar, dass Roman Schatz in Helsinki schoen und plakativ formuliert hat: Das geistige Alter eines Mannes betraegt immer neun Jahre.

Frage: „Benjamin, wie fuehlt es sich fuer dich als ehemaligen Kommunisten an, heute durch eine Stadt wie Warschau zu laufen?“
Antwort: „Wie zuhause.“

Spaeter Streifzug durch Warschau: Der Fluss Wisla, von dessen Ufer man mit Blick auf das neue Nationalstadion in der Sonne sitzen kann. Die wichtigste katholische Kirche, in der wir uns ploetzlich in einer Abendmahlzeremonie wiederfinden. Die Altstadt, die schoen ist und nicht so touristisch wie befuerchtet. Die letzten Mauern des ehemaligen Ghettos, die eine dunkle Vorahnung dessen geben, was uns in Auschwitz erwarten wird. Die Zitadelle etwas ueberhalb der Innenstadt und ein riesiges Kino, in dem ein alt gewordener Sylvester Stallone – polnisch untertitelt – einen alt gewordenen Jean-Claude van Damme bekaempft. Gruselig schoen.

Die Warschauer Nacht: Laut. Lebendig. Aufgeregt. Unterhaltsam. Schick. Baesse. Schnaps. Mehr Baesse. Blicke. Mehr Schnaps. Feiern und Tanzen auf Booten, die am Flussufer liegen. Als wir ins Bett fallen, ist die Stadt laengst wieder wach.

Mittlerweile sind wir in Danzig, wo wir uns ein Auto mieten und zu den Seen im Nordosten des Landes fahren wollen.

Mieten?

„Waere das stark, wenn wir in Polen ein Auto klauen wuerden“, sagt Benni. Der alte Witz mal umgekehrt. Das geistige Alter eines Mannes…

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Eine Antwort zu “Vilnius+Warschau.

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