Danzig+Krakau.

Von Warschau aus fahren wir nach Danzig, kreuz und quer durch Polen. Das macht im Grunde herzlich wenig Sinn, weil unsere naechste Station die suedlichste Stadt des Landes sein wird. Gruende fuer unseren Zickzackkurs: zum einen die seltsamen Zugverbindungen im Norden Polens (verbunden mit der Visumpflicht fuer die russische Exklave Kaliningrad) und zum zweiten die Idee, unsere Reiseplaene ein Stueck weit den Wettervorhersagen anzupassen zu koennen.

Selbstverstaendlich regnet es, als wir nach grausiger Nachzugfahrt in Danzig am Bahnhof ankommen.

Unser Hostel ist etwas ausserhalb der Innenstadt – und entpuppt sich als traumhaft. Frisch bezogene Betten, ein sauberes Bad, das ausgebaute Dachgeschoss ganz fuer uns alleine. Den ersten Tag verbrigen wir schlafend, am zweiten Tag radeln wir ein wenig durch die Altstadt und trinken ein Bier am Ostseestrand noerdlich der Stadt.

Nach anderthalb Tagen Gemuetlichkeit dann Tempowechsel. Tagesausflug zur Wolfsschanze, Hitlers Hauptquartier waehrend des Krieges, die knapp 300 Kilometer von Danzig entfernt in einem Gebiet voller Seen und Waelder liegt. Insgesamt knapp acht Stunden Fahrt ueber zum Teil abenteuerliche Strassen – die einem weiss lackierten und mit sportlichen Streifen in Orange versehenen Opel Astra freilich nichts anhaben koennen. Der schmuddelige Autovermieter (klassisch: Jeansweste ueber Kurzarmhemd) hat nicht zu viel versprochen: Die Kiste laeuft.

Die Wolfsschanze selbst: touristisch. Ein wenig gespenstisch. Bunkeranlagen im Wald – in einer der Ruinen ist Stauffenbergs Attentat gescheitert – geben auch heute noch einen Eindruck davon, wie die Wolfsschanze (im Prinzip als eigene Kleinstadt) funktioniert hat. Heute: Fast siebzig Jahre nach dem Rueckzug der Nazis vor der nahenden Roten Armee fahren Reisebusse aus Deutschland nach Polen, um die Schaltzentrale deutscher Aggression zu durchschlendern. Auch das irgendwie seltsam, ohne das Seltsame richtig greifen zu koennen. Deshalb Weiterfahrt (Opel Astra!) ueber verschiedene Kaeffer zu einem der Seen in der Gegend.

Am naechsten Morgen sind wir schon am anderen Ende Polens. Ankunft in Krakau mit einem Nachtzug, den eine Truppe betrunkener und randalierender Fussballanhaenger immer wieder zum Anhalten zwingt. Bewaffnete Polizisten steigen zu und wieder aus, als wir schliesslich in Krakau ankommen, werden die Chaoten in kleinen Grueppchen aus dem Zug und spaeter aus dem Bahnhof geleitet.

Obligatorisch auch in Krakau: Altstadt und Fluss (unglaublich wahrer Satz in Uslars Deutschboden: „Fluss: immer gut.“). Natuerlich haben wir mittlerweile gefuehlt Altstaedte im dreistelligen Bereich durchschlendert, aber auch hier ist es ausgesprochen schoen. Und ungemein romantisch, wie Felix spaeter mit Blick auf den beleuchteten riesigen Marktplatz hinzufuegen wird. Reisebegleiter zwei weiterhin: Benjamin, mittlerweile Traeger eines Schnurrbarts.

Ende unserer Albernheit dann in Oświęcim, westlich von Krakau. Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau. Die Baracken des Lagers Auschwitz I. Menschenverachtend, brutal, kalt. Die Toetungsmaschinerie des Lagers Auschwitz II: nicht in Worte zu fassen. Paul Celans Todesfuge im Kopf: Der Tod ist ein Meister aus Deutschland.

In der Zwischenzeit haben wir Tschechiens Hauptsadt Prag erreicht.